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Geschichte

175 Jahre Feuerwehr in Garrweiler
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Altensteig und Garrweiler. Die erste Freiwillige Feuerwehr (FFW) Deutschlands entstand 1840/41 in Meißen (Sachsen).Die häufig anzutreffende Behauptung, die erste, deutsche Freiwillige Feuerwehr sei 1846 von Christian Hengst in Durlach (Baden) gegründet worden, ist falsch.

Zuvor gab es seit frühen, mittelalterlichen Zeiten die allgemeine Feuerlöschpflicht (AFLP), die übrigens immer für Männer und Frauen und auch ältere Jugendliche gegolten hat und im Notfall auch heute noch gesetzliche Pflicht ist. Um 1800 gab es fast überall auch schon die sog. “Ortsfeuerwehren” als Pflichtfeuerwehren (PFW). Und nun kommt ab 1840/46 die Verwendung des Wortes “freiwillig” auf : das ist doch eigentlich merkwürdig.

Ab Herzog Karl Eugen und seine Land -Feuer – Ordnung von 1752 hatte man im Herzogtum Württemberg (und anderswo in deutschen Landen) erkannt, dass man mit einer regelmäßig geschulten, disziplinierten Mannschaft beim Löschen mehr Effizienz erzielte als per AFLP mit einer mehr oder weniger planlos, kopflos und wirkungslos löschen wollenden, chaotisch durcheinander rennenden Bevölkerung. Also wurden örtliche PFW organisiert.

Der Unterschied zwischen PFW und FFW liegt nun nicht allein in der regelmäßigen Schulung oder in dem beim Militär gelernten Drill oder in der besser werdenden Ausrüstung. Das hat bei der Entwicklung hin zur FFW alles auch seine Bedeutung gehabt. Aber für das Wort “freiwillig” gibt es eine geistige Wurzel, die viel tiefer reicht: die deutsche Turnerbewegung. Sie war die wichtigste, wenn auch nicht einzige, geistige Wurzel beim Entstehen freiwilliger Feuerwehren!

“Turnervater” F. L. Jahn (1778-1852), der Schöpfer der deutschen Turnerbewegung, hat 1811 in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz eingerichtet. Nur wenige Jahre später, nach dem Sturz Napoleons und während der reaktionären Jahrzehnte danach, war es damit vorbei.
Die Turnerbewegung wurde auf Betreiben Preußens und Österreichs als national, liberal und burschenschaftlich 1819/20 verboten. Jahn wurde mundtot gemacht. Aber er durfte vor seinem Tod noch den Umschwung erleben: 1841 das erste Turnfest in Frankfurt am Main, 1842 die Aufhebung des Turnverbots und 1848 der Volksaufstand (es war keine Revolution).

Die Entstehung von FFW ist also auch einer der Erfolge der bürgerlichen 48er-Revolte oder, besser gesagt, der fortschrittlichen, politischen Entwicklung Deutschlands in den 1840er Jahren. Die FFW kennzeichnen den Wechsel vom obrigkeitlichen Untertanentum (PFW) zu bürgerlichen Freiheit und “freiwilliger” Eigeninitiative (FFW). Natürlich, das Problem des Feuerschutzes und der Brandbekämpfung ist uralt. Aber die Problemlösung erfolgte seit Gründung der FFW auf einer neuen geistigen Grundlage.
Die beiden Gründungen in Meißen und Durlach hatten rasch Vorbildwirkung, bezeichnenderweise zunächst in Städten. Und wie wenn man einen Stein ins Wasser wirft, breitete sich dann die neue Entwicklung nach allen Seiten aus - in Württemberg naturgemäß von Stuttgart her - ,und das dauerte seine Zeit.

Wenn wir im Jahre 2005 nun das 175 jährige Jubiläum der FFW Garrweiler feiern, hat das gleichwohl seine innere Berechtigung, auch wenn die offizielle Bezeichnung FFW wahrscheinlich erst später eingeführt worden ist. Die FFW ist einerseits Erbe der vorhergehenden PFW. Und in kleinen Dörfern stand der Übergang ohnehin höchstens auf Papier: es waren die gleichen Leute, die gleiche Ausrüstung, die gleiche Schulung - und auch das gleiche Gemeinschaftserlebnis. Die große Bedeutung gerade des letzten Punktes sollte man bei Feuerwehren nie übersehen.

Sagen wir also einfach:
175 Jahre Feuerwehr Garrweiler.

Das ist die Zahl, die sich durch schriftliche, erhaltene Unterlage beweisen lässt, nämlich durch eine Notiz im Gemeinderatsprotokoll von 1830. “Verhandelt den 24. Feber 1830. Heute wurde zur zweiten Rotte als Fahnenmeister erwählt der hiesige Bürger und Taglöhner Johann Georg Dietterle und dazu gehörig belehrt und verpflichtet.
dis T.[estiert] Johann Georg Dietterle zur Beglaubigung der Gemeinderath Traub [Schultheiß], Seeger, Heußler, Oesterle, Bauer.” [Band o.Nr.(18.2.1830 – 15.7.1839),S.36,Signatur B 8, Gemeindearchiv]

Zum Schluss noch ein tieferer Rückblick in die Feuerwehrgeschichte.
Im gleichen Protokollband wird berichtet, dass es auch schon Nachbarschafts- Löschhilfe gegeben hat, anlässlich einer Feuersbrunst am 17.Februar 1830 in Lengenloch. Allerdings wird die Löschmannschaft bei dieser Gelegenheit wegen undisziplinierten Verhaltens von Schultheiß und Gemeinderat ziemlich energisch in den Senkel gestellt. Und im Jahre 1835 wird im Protokoll dokumentiert, dass es schon spätestens ab etwa 1750 eine überörtliche PFW gegeben haben muss, organisiert sicher von den Freiherren von Gültlingen innerhalb der Herrschaft Berneck, zu der Garrweiler von 1735 bis 1805 gehörte. Garrweiler musste sich nämlich an den Kosten für eine Feuerspritze beteiligen, die 1754 bei der Glockengieserei Kurtz in Reutlingen gekauft und in Berneck stationiert worden ist-und die heute noch voll funktionsfähig im Feuerwehrmagazin Altensteig bei dessen historischen Geräten aufbewahrt wird. Aber dieses Stück Feuerwehrgeschichte ist eine eigene Darstellung wert. Die überdies erst noch genauer von F.Kalmbach, Stadtarchivar in Altensteig erforscht werden muss, und dann alle Gültlinger- Orte, Garrweiler, Berneck, Überberg und Gaugenwald, betrifft. Stand: 8.1.2006



Beiträge zur Geschichte des örtlichen Feuerlöschwesens
aus den Gemeinderats-Protokoll v. Garrweiler, Stadt Altensteig

Schlussfolgerung aus dem Text von 1835

Durch den GR-Text von 1835 stellt sich heraus, dass Garrweiler an den Kosten der Bernecker Spritze beteiligt und dass man sich dessen nach 80 Jahren noch bewusst war. Das legt die Schlussfolgerung, besser: Vermutung, nahe dass die Bernecker Spritze ein Gemeinschaftsgerät für alle Gültlinger-Orte der Herrschaft Berneck war. Deshalb wäre es zweckmäsig, auch in den anderen 3 Gültlinger-Orten an der oberen Nagold und im Gültlinger-Archiv Nachrichten über den Spritzenkauf von 1754 zu suchen. (Nebenbei bemerkt: die Spritze von 1754 ist noch vorhanden, voll funktionsfähig, und wird bei den historischen Geräten im Feuerwehrmagazin Altensteig aufbewahrt!)

Im Jahre 1754 war Garrweiler - seit 1753 – einer der 4 Gültlinger-Orte, zusammen mit Berneck,
Überberg, Gaugenwald. Die Herrschaft Berneck kam erst 1805 durch Napoleon unmittelbar zu Württemberg, das bis dahin nur die Oberlehensherrlichkeit über den Niederadelsbezirk der Gültlingen ausgeübt hatte, nicht aber die unmittelbare Regierung und Verwaltung. Eine überörtliche Lösch- Kooperation kann zu dieser Zeit daher nur durch die Freiherren von Gültlingen herbeigeführt worden sein, die demnach um 1754 das Feuerlöschwesen in ihrer Herrschaft erstmals oder neu organisiert haben. Organisatorisch würde man dies heute wohl als Löschgemeinschaft in Überlandhilfe betrachten – mit gemeinsamen Finanzen. Mit dem Begriff “Freiwillige-Feuerwehr” lässt sich diese Entwicklung ab 1754 in der Herrschaft Berneck und in deren 4 Gemeinden nicht so recht beschreiben.

Es sei daran erinnert, dass auch das heutige Feuerwehrgesetz nicht nur die
“Freiwillige” und die “Berufs” – Feuerwehr kennt, sondern immer noch auch die allgemeine Löschpflicht und bis vor kurzem die allgemeine Dienstpflicht in der Feuerwehr, (ersatzweise die inzwischen abgeschaffte Feuerwehrabgabe). Diese allgemeine Feuerlöschpflicht hat es in allen Orten Europas mindestens schon seit dem frühen Mittelalter bzw. in Städten seit jeher gegeben. Von dieser allgemeinen Pflicht unterscheiden muss man die Organisationsformen des Löschwesens, die sich z.B. im Mittelalter dazu der Zünfte oder der Stadtviertel bedienten. Die Freiherren scheinen da sich sehr früh und sehr fortschrittlich betätigt zu haben, auch und gerade bei der Einführung neuer Technik über den berühmten – unwirksamen – Standard des Ledereimers hinaus.

Vielleicht waren sie dafür besonders sensibilisiert, allgemein durch ihre führende Stellung in der Regierung Württembergs, besonders aber durch mehrere Brände, die ihren Familiensitz, die Burg bzw. das Schloß Berneck, mehr oder weniger umfangreich oder auch total verwüstet haben. Gerade aus der Zeit vor 1754 sind zumindest zwei solche Brände bekannt von 1559 und am 17.1.1665, (denen jeweils auch ihr Archiv zum Opfer gefallen sein soll – wohl nicht ganz).

Daher kann man sagen, dass Garrweiler, wenn man den Begriff “Feuerlöschorganisation” statt “Freiwilliger Feuerwehr“ benützt, wahrscheinlich schon seit 1754, also wohl seit mindestens 252 Jahren, Anteil an einer überörtlichen Organisationsform und einer jeweils modernen Technik des Feuerlöschwesens hatte, die wir heute in den Formen der Freiwilligen Feuerwehr und der Überlandhilfe kennen. Ebenso gut wie 1754 könnte man aber als Ausgangsdatum für ein Jubiläum auch den Anschaffungsbeschluss der ersten ortseigenen Spritze im Jahre 1835 nehmen oder das (noch unbekannte) Jahr der Anschaffung, falls sie nicht hintertrieben wurde....
Eine schwierige Entscheidung.

FREIWILLIGE FEUERWEHR ALTENSTEIG - ABTEILUNG GARRWEILER - NOTFALL 112 - FLORIAN ALTENSTEIG 4/48

 

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